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Vergleich
Porsche 944 / 944 S2 / 944 turbo
Flucht
nach vorn
Kraftakt
bei Porsche: Mehr Leistung, eine verbesserte Ausstattung und eine
attraktivere Optik sollen dafür sorgen, daß die Vierzylinder-Reihe
wieder an Fahrt gewinnt. auto motor und sport hat die drei aktuellen
944-Modelle miteinander verglichen und sagt, welches das beste
Preis/Leistungsverhältnis bietet.
Im
verflixten siebten Jahr steht der Porsche 944 am Scheideweg, und noch
weiß niemand, wohin die Reise geht. Top oder Flop lautet die Frage, die
für das Haus Porsche schon fast eine Existenzfrage ist. Immerhin macht
die seit 1981 gebaute 944-Reihe über ein Drittel des Gesamtgeschäfts
aus, da mußten die Schwaben den zuletzt stark rückläufigen
Verkaufszahlen unbedingt Taten folgen lassen.
So
wurde ein Nachrüstbeschluß gefaßt, der dem gesamten
Vierzylinder-Programm Rückendeckung geben soll. Um neue Kräfte sammeln
zu können, mußte zunächst einmal Flurbereinigung betrieben werden.
Der ungeliebte Porsche 924 S wurde ersatzlos gestrichen, dafür
erhielten die übrigen Vierzylindermodelle eine kleine Stärkung. Das
neue Grundmodell 944 bekam einen größeren Motor (2,7 Liter statt 2,5
Liter Hubraum) mit mehr Leistung (165 PS statt 160 PS), der auf die
Bezeichnung 944 S2 getaufte Vierventiler wurde mit einem 211 PS starken
Dreiliter-Triebwerk bestückt, und der 944 Turbo tritt nun serienmäßig
mit den 250 PS aus der ehemaligen Sonderserie "Turbo S" an.
auto motor und sport hat in den Heften 16 und 23/1988 die Technik der
neuen 944-Generation bereits ausführlich beschrieben - jetzt müssen
sich die drei Vierzylinder einem internen Vergleich stellen und zeigen,
was wirklich in ihnen steckt.
Zunächst
ein Blick in die aktuellen Preislisten. Mit den Preisen ging es ja bei
Porsche in den letzten Jahren fast noch rasanter nach oben als mit den
Fahrleistungen, und so verwundert es kaum, daß im Zuge des Faceliftings
auch die Preise noch einmal angehoben wurden. 63.265 Mark kostet jetzt
das Basismodell 944, der S2 ist ab 74.965 Mark zu haben, und der Turbo
steht mit 95.075 Mark in der Liste. Zur Serienausstattung gehören
bereits ab Grundmodell Dreiwege-Katalysator, Leichtmetallräder,
Servolenkung, Zentralverriegelung sowie elektrisch von innen
einstellbare und beheizbare Außenspiegel links und rechts.
Der
knapp 12.000 Mark teurere 944 S2 tritt jetzt äußerlich im Look des 944
Turbo an, mit einer tief um den Bug herumgezogenen Polyurethan-Schürze
und integrierten Nebelscheinwerfern sowie mit 16 Zoll großen
Leichtmetallrädern. Der 944 Turbo für nochmals 20.000 Mark mehr ist
auf den ersten Blick vom preisgünstigeren S2 kaum noch zu
unterscheiden. Nur die geschmiedeten statt gegossenen Leichtmetallräder
mit besonders üppiger Bereifung (225/50 ZR 16 vorn, hinten 245/45 ZR
16) verraten dem Kenner, daß es sich hier um das Spitzenmodell handelt.
Die anderen turbotypischen Goodies sind optisch noch unauffälliger,
aber dafür um so wirkungsvoller: Sperrdifferential mit 40 Prozent
Wirkung, Antiblockiersystem, Klimaanlage und Diebstahlwarnanlage.
Die
Art der Preisabstufung legt die Vermutung nahe, daß der um 20.000 Mark
vom S2 abgesetzte Turbo ganz klar das Spitzenangebot darstellt, während
die Unterschiede zwischen 944 und S2 nicht so gravierend sind. Doch weit
gefehlt - der direkte Fahrvergleich und die ermittelten Meßwerte machen
ganz schnell deutlich, wie das Leistungsgefälle wirklich aussieht.
Dabei
entpuppt sich der Turbo keineswegs als so überlegen, wie es der
Preisunterschied zunächst vermuten ließe. Der Vorsprung des Turbo an
Leistung (250 PS bei 6000/min) und maximalem Drehmoment (350 Nm bei
4000/min) gegenüber dem S2 (211 PS bei 5800/min, maximal 280 Nm bei
4100/min) läßt sich zwar auf dem Datenblatt dokumentieren, ist aber
beim Fahren subjektiv kaum nachvollziehbar. Der Grund: Der S2 ist 44
Kilogramm leichter, insgesamt etwas kürzer übersetzt und hängt vor
allem im unteren Drehzahlbereich viel besser am Gas als der Turbo, der
sich unterhalb von 4000/min erst eine kleine Atempause leistet, bevor
der Turbomotor arttypisch viel Luft holt, um nach dem Einsetzen des
vollen Ladedrucks für vehementen Vorwärtsschub zu sorgen.
Für
sich allein betrachtet gehört das Turbo-Triebwerk des 944 hinsichtlich
der Leistungscharakteristik sicher zu den Besten seiner Gattung. Das
anderswo anzutreffende tiefe Turboloch ist hier allenfalls eine kleine
Delle. Aber das Dreiliter-Aggregat im 944 S2 zeigt wieder einmal
eindrucksvoll, daß Hubraum auch durch einen noch so effizienten
Turbolader nicht zu ersetzen ist.
In
der Beschleunigung von null auf 100 km/h hat der Turbo zwar leicht die
Nase vor dem S2 und kann diesen Vorsprung bis 180 km/h auf rund
dreieinhalb Sekunden ausbauen, doch im Alltagsbetrieb läßt sich dieser
Vorteil ebenso selten ausspielen wie die höhere Endgeschwindigkeit von
257 km/h zu 238 km/h.
Viel
wichtiger als Beschleunigungsvermögen und Höchstgeschwindigkeit ist
die Elastizität in den oberen Gängen. Und siehe da: In dieser
Disziplin ist der S2 dem Turbo überlegen. Bei Zwischenspurt von 60 auf
100 km/h im vierten Gang nimmt der S2 dem Turbo fast zwei Sekunden ab,
im fünften Gang zwischen 80 und 120 km/h ist er ihm zumindest ebenbürtig.
Doch
neben dem bullenstarken Antritt aus niedrigen Drehzahlen hat der
Dreiliter-Vierventiler noch andere Meriten: Drehwilligkeit und
Laufkultur beispielsweise - Tugenden, die bei einem so großen
Vierzylinder überraschen. Der Dreiliter dreht mühelos über 6000/min
und beeindruckt zumindest bis 5000/min durch einen überraschend
geschmeidigen Lauf. Erst wenn die Nadel des Drehzahlmessers über diese
Markierung hinausschnellt, schlägt der Vierventiler einen rauheren Ton
an. Dann werden auch, trotz zweier gegenläufig rotierender
Ausgleichswellen, leichte Vibrationen spürbar.
Der
Turbomotor wirkt vom Klangbild her unauffälliger, er klingt gedämpfter
und ist völlig frei von Vibrationen, die beim 944 S2 wiederum auch
nicht so stark sind, daß sie auf Dauer als lästig empfunden werden.
Die Kehrseite der Turbo-Medaille ist nach wie vor der Benzinverbrauch.
Bei den Vergleichsfahrten schluckte der Turbo über einen Liter mehr pro
100 Kilometer als der Vierventiler. Dem Testverbrauch von 15,1 Liter/100
Kilometer stehen 13,9 Liter/100 Kilometer beim S2 gegenüber. Beide benötigen
unverbleites Superbenzin.
Auch
das Basismodell 944, das früher als 2,5 Liter-Version ohne Katalysator
zu den sparsamsten Sportwagen überhaupt zählte, ist in seiner neuesten
Ausführung etwas durstiger geworden. Früher ließ sich der 944 selbst
bei forcierter Fahrweise mit zehn bis elf Litern abspeisen, während
heute das abgasgereinigte 2,7 Liter-Modell auf Verbrauchswerte zwischen
13 und 14 Liter pro 100 Kilometer kommt. Im Test ergab sich ein
Durchschnittsverbrauch von 13,2 Liter/100 Kilometer, das ist nur geringfügig
weniger, als der wesentlich temperamentvollere 944 S2 verlangt.
Überhaupt
stellt der 944 im Vergleich zum S2 das schlechtere Angebot dar. Er ist
zwar knapp 12.000 Mark billiger, aber der Vierventiler hat eben in jeder
Beziehung erheblich mehr zu bieten. Für sich betrachtet sind auch die
Fahrleistungen des Basismodells eindrucksvoll (Beschleunigung von null
auf 100 km/h in 8,5 Sekunden, 216 km/h Höchstgeschwindigkeit), doch der
Abstand zwischen 944 und S2 ist größer als der zwischen S2 und Turbo.
Selbst
wenn man die Meßwerte einmal ganz außer acht läßt. wirk der 944 im
Fahreindruck bei weitem nicht so souverän motorisiert wie der
Vierventiler. Zwar ist es auch beim zweiventiligen 2,7 Liter-Motor in
erster Linie die Durchzugskraft, die Freude schafft, aber mit der
Drehwilligkeit ist es nicht weit her. Über 4500/min tut sich der
Zweiventiler spürbar schwerer als der Vierventiler im S2, und auch das
relativ schwergängige Gaspedal trägt mit dazu bei, daß nicht gerade
der Eindruck überschäumenden Temperaments aufkommt. Der Versuchung zum
Schnellfahren, die den Fahrer im S2 und vor allem im Turbo auf der
Autobahn stets begleitet, widersteht der 944-Pilot deshalb viel
leichter, und so gesehen verbreitet der Basis-944 weniger Streß als die
leistungsstärkeren Modelle.
Allerdings
kommt auch im S2 und im Turbo niemals Hektik am Lenkrad auf. Es ist
schon beruhigend zu wissen, mit welcher Souveränität die drei 944 auch
im Hochgeschwindigkeitsbereich wie an der Schnur gezogen geradeaus
laufen und daß die Bremsen bei Bedarf wirkungsvoll und ohne Ermüdungserscheinungen
zupacken. Langstrecken lassen sich entspannt wie in einer Limousine zurücklegen,
was nicht zuletzt auch ein Verdienst der bequemen - im Turbo etwas
schmal geschnittenen - Sportsitze ist. Doch nicht nur die Autobahn ist
eine Porsche-Domäne. Auch auf kurvenreichen Landstraßen ist der 944 in
seinem Element. Die angenehm leichtgängige, wenngleich bei
Fahrbahn-Unebenheiten nicht ganz stoßfreie Servolenkung vermittelt ein
gutes Handlichkeitsgefühl. Das nahezu neutrale Eigenlenkverhalten ermöglicht
problemlos hohe Querbeschleunigungen, und der Kurvengrenzbereich liegt
so hoch, daß es nicht ratsam ist, ihn auf öffentlichen Straßen
auszuloten.
Auch
die Schaltung trägt ihren Teil zum Fahrspaß bei. Sie läßt sich trotz
Transaxle-Bauweise mit an der Hinterachse liegendem Getriebe leichtgängig
und sehr präzise betätigen. Außerdem ist die Übersetzung des Fünfganggetriebes
bei allen drei Modellen gut auf die Leistungscharakteristik des
jeweiligen Motors abgestimmt.
Der
Fahrkomfort schließlich ist für Sportwagen beachtlich. Langhubige
Bodenwellen werden von der Federung ganz sanft ausgebügelt, nur kurze
Unebenheiten wie Querfugen dringen vor allem beim Langsamfahren trocken
zu den Passagieren durch. Im 944 übrigens ist der Abrollkomfort eine
Spur besser als in den Modellen S2 und Turbo, die wegen ihrer höheren
Fahrleistungen mit breiteren, härteren und stärker aufgepumpten
ZR-Reifen ausgerüstet sind und deshalb hörbar lauter abrollen als der
schmaler bereifte 944.
Der
Gesamteindruck - nicht zuletzt unterstrichen durch die solide
Verarbeitungsqualität - ist also durchweg positiv, wobei der S2 alles
in allem das bester Preis/Leistungsverhältnis innerhalb des 944-Trios
bietet. Doch trotz, oder gerade wegen dieser Perfektion will unter den
Porsche-Kunden keine richtige 944-Begeisterung aufkommen. Ein Problem
bleibt das Image der Vierzylinder, vom Flair der klassischen
Heckmotor-Porsche sind sie nun einmal weit entfernt. Und dieses Manko läßt
sich auch mit der besten Beschleunigung nicht abschütteln.
Thomas
Fischer
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